Pfingstlager 2022

16.06.2022
Pfingstlager 2022
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Es ist wieder so weit! Der Stamm, der geht auf Stammesfahrt

Eine viertägige Expedition östlich von Bad Tölz am Schönauer Weiher vom 15. bis zum 19. Juni. Mit dabei, von groß bis klein, sind 39 Mutige, die sich trauen am Nachmittag des heißen und sonnigen Donnerstages, nachdem sie mit dem Fahrrad den Weg über die aufgerissenen, schotterigen Straßen und die Kleinsten zu Fuß durch die Wälder Bad Heilbrunns, mysteriösen Wegzeichen folgend, die einzig mit einer speziellen Karte zu entschlüsseln waren, schließlich sich trauen ihre Kothen und Jurten in der letzten Ecke auf der Liegewiese des Weihers aufzuschlagen.

Was ein Glück, dass die Vorhut, bestehend aus den Ältesten zuvor schon das Essen im Biomarkt in Sauerlach unter sommerlich sonnigen Hitzebedingungen und das Material ebenso organisiert hatten. So konnte man sich schnell den wichtigeren Dingen zuwenden und schon bald war das geschäftige Treiben am Lagerplatz durch asymmetrisches Hammerklopfen der Heringe und geschriene Zurufe auszumachen.

Als dann die Sonne schon nur noch hinter den Blättern auf den See schimmerte, da begann dann die Vorbereitung der Lagerküche: Würstl und Brot, so primitiv und einfach und doch so gut, wenn es über dem Feuer seinen vollendeten Geschmack findet. Leider haben wir hierbei die Kiste Gemüse für Vegetarier irgendwo, oder genauer gesagt unter den Geschirrtüchern für etwa zwei Tage verloren geglaubt. Doch auch Brot und Aufstrich machen glücklich und nachdem auch die Grillmeister Urban und Valli satt sind, so kann dann auch der Singeabend beginnen. Heute, wo doch nun, nahe an Sonnwende, erst so spät das Blau des Himmels die Landschaft langsam übersengt und Land und Himmel in der Dunkelheit verschmelzen.

Tja und damit sind wir mitten im Lagerleben angekommen.

Alsbald ist dann auch schon die Zeit fürs Bett, die Bieber platschen friedlich und in den Zelten kehr Ruhe ein, während am Lagerfeuer noch Laute ertönen.

Das Lagerleben, es gleicht einer Forschungsreise. Gerade in der Dunkelheit, wie mir die Wölflinge erzählen, erscheint alles noch viel gewaltiger, jedes Geräusch ist neu und unbekannt. Da gibt es schonmal Heimweh.

Doch graut der Morgen, sind die Geschichten der Nacht in den Tiefen des Kopfes verstaut, da packt einen einen jeden Pfadfinder früher oder später der Drang zum Tun.

Auf unserer Expedition muss das gut koordiniert sein, so machen wir einen Morgenkreis nach dem Frühstück um auch in der großen Gruppe Gemeinschaft zu schaffen. Danach gibt es auf der runden Lagerwiese einiges zu tun!

So also werden Mülltonnen gebaut, die Kochstelle verbessert, eine Bioabfallgrube wird von Steini gebuddelt, die Fahne muss am richtigen Ort angebracht werden für das Interstammliche Fahnenklauspiel, wo es darum geht die Fahne des Stammes, der gerade auf Lager ist zu „klauen“, während dieser versucht die Fahne zu bewachen. Und da gerade Sommer ist, ist es ganz wichtig noch den Badeplatz durch einen Flying Fox und eine Schaukel aufzuwerten, sowie aus Schlamm kleine Samenkügelchen zu machen, sogenannte „Seedballs“, um den Wiesen mehr Vielfalt zu geben.

Nach dem vielen Arbeiten ist es dann schließlich Zeit endlich die Frische des Sees auszukosten, dann die Brotzeit zu sich zu nehmen und schließlich die Mittagshitze schlafend oder spielend im Schatten zu verbringen, denn nachmittags geht es in den nahegelegenen Wald zu unserem großen Geländespiel STRATEGO, von Moni instruiert, da ist es gut ausgeruht zu sein.

Wie beim Fahne klauen geht es auch hier darum dem gegnerischen Team so viel wie möglich bestimmte Spielkarten wegzunehmen, wobei das je nach eigener Rolle nur bei bestimmten Karten möglich ist. Erst beim Spielen richtig erkannt, weiß am Ende, wo wir wohl alle den Wald besser kennen als zuvor, wohl jeder, wie das Spiel funktioniert. Die Sonne spendet auch schon weniger Hitze, als wir vom Spiel auf den Lagerplatz zurückkehren und dort auch anfangen zu kochen. Ging es es beim Stratego unter anderem viel um Strategie, viel auch um einen Plan, so ist das Abendessen kochen dann eine mehr oder weniger große Matscherei: Um die Feuerschale im Kreis an die Biertische verteilt wird der Spätzleteig mit echter Handarbeit gemacht, das sieht man spätestens dann, wenn man die Arme der Jüngsten, der Wölflinge, bis zu den Oberarmen im Teig versinken sieht und die verschieden geschnittenen Käsestücke der Reihe nach probiert werden müssen.

Ohh doch diese Schweißarbeit und der hohe Wasserverbrauch später an den Duschen wird belohnt durch die Geduld von vor allem Olivier, der bis spät in die Nacht noch den Spätzleteig zu feinen, fettigen Spätzles verarbeiten wird. Doch mit dem Ende des Essensspaßes und den gefüllten Mägen beginnt der eigentliche Spaß, als die Sonne allen schon den rücken zukehrt, sodass der Horizont ganz rot wird und sich in einem Farbspiel von blau, grün und orange vermischt, die Vögel daraufhin aufhören zu singen und dabei die Geräusche der Nacht einsetzen, sodass ich wirklich das Gefühl bekomme, wir wären alleine ausgesetzt in der Wildnis, die einzig menschlichen Begleiter sind die anderen 38 Menschenseelen. Was passiert ist äußerst nervenerregend und manchmal bisschen gruselig (natürlich auf keinen Fall für die Jupfis und Pfadis 😉), es ist die Nachtwache, das Bewachen unserer Fahne im interstammlichen „Fahnenklauspiel“.

Nach der obligatorischen Unterweisung Donis spähen die Gruppen aus auf die Posten. Und daraufhin wird jedes Geräusch genauestens analysiert. Was ist Tier? Was ist menschlich? Was ist Wind? DAS ist hier die Frage.

Und dann, währenddessen war noch viel Betrieb auf dem Lagerplatz; ja im Schutz der Flammen und Zelte wuselten Kinder umher, es wurde gelacht und die üblichen Geschichten fanden ihren Weg in die Köpfe anderer Menschen, als plötzlich die gesamte Runde am Feuer dieses Platschen hört, das so gar nicht nach dem Platschen des geliebten Herrn Nachbars Biebes klingt.

Alles geht jetzt sehr schnell. Wir sehen die Fahne nicht mehr am Baum über´n See hängen und eine dunkle Gestalt verschwindet in der tarnenden Dunkelheit.

Sofort späht Marlies mit den Pfadis und Jupfis in die eine Richtung aus, Luzia und Crissy in die andere, was ein sehr feuchtes Unterfangen wird, wenn man so im Dunkeln im Moor landet und eh nichts sieht.

Die genaueren Einzelheiten des weiteren Suchverlaufs werden nun nicht im Einzelnen geschildert, sind sie ja doch sehr individuell wahrzunehmen. Jedoch sitzen am Ende ein Haufen Schlierseer Pfadfinder um´s Feuer und isst etwas von dem großen Rest der Kasspatzn. Irgendwann taucht dann auch der im Neoprenanzug bekleidete Felix der Benediktbeurer Pfadfinder auf, die Flagge in der Hand, um sich am Feuer aufzuwärmen. Schließlich wurden seine Klamotten in der Zwischenzeit von Doni aufgesammelt.

Eine bunte Nacht, so kann man sagen, nimmt sicher erst bei Morgengrauen ihr Ende, wo doch Menschen für Bieber gehalten wurden und Biebergeräusche für menschliches Rascheln. Und man möchte fast meinen, dass jene intelligenten Wölflinge, die sich zuvor einfach schlafen gelegt hatten am Fittesten waren an jenem nächsten Morgen. Und natürlich auch der Urban, der von der Backstube mit frischem Brot vom Detter kommt und unseren Brotvorrat noch voller macht. Naja, Fehlkalkulationen sollen vorkommen…

Ahh das viele Brot und die frischen Äpfel, sowie das restliche Essen stärkt und dann jedoch alle doch sehr stark, dass wir, bereit für den Morgenkreis, Feuer und Flamme wieder ein Drachen-Prinzessinnen-Spiel spielen, nur um dann in die Versprechensvorbereitung überzugehen. Die Hitze ist hierbei wieder einmal so dominant, dass die Stufen dankbar den Schatten der Bäume für die wichtigen Worte, die zu sprechen sind, annehmen, während jene, die schon des Versprechens mächtig sind mit Luzia den Lagerplatz aufräumen. Entgegen des anfänglichen Entsetzens „Aber warum müssen wir das tun?“, sind alle Töpfe bald schon sauber (von Steini wird extra der Ruß abgeschrubbt) und der Lagerplatz ist wieder ordentlich.

Dann neigt sich der Tag dem Mittag zu und kälter wird es auch nicht, sodass die Leiterrunde kurzerhand beschließt das Mittagessen am Ufer des Sees zu legen und auch die spacige Essensausgabe in den See zu verlegen. Trotz des kleinen Nachteils für die Kleinsten unter uns wird jeder letztendlich satt und als Überraschungsdessert schaut auch noch unser Wölflingsleiter Ben mit seiner Holzkirchner Begleitung auf und bringt lecker Eis mit 😊.

Mit klebrigen Eisfingern sitzen so also auch die Wölflinge glücklich in der Vorlesesiesta, bevor auch schon der große Postenlauf in der Nachmittagssonne beginnt. Mit den Fragen: „Hat jeder eine Trinkflasche? Eine Gruppe? Den Weg?“ beginnt der Postenlauf für die kleinen Gruppen. Und los geht es zum Feuermachen, zum Doni und zum Josef und zum Vali zum Brücken bauen. Hierbei ist nicht nur die Hitze eine Qual, sodass alle hecheln wie die Kamele, sondern auch den Weg zu finden gestaltet sich als gar nicht so einfach und es gibt ein bisschen Stau an den Stationen. Ohh und zu jedermanns oder jederfraus Schande hat dann auch noch niemand gewonnen, sondern man ist den ganzen Weg nur „zum Spaß“ gelaufen! Ach, nächstes Mal, liebe Kinder, lassen wir uns was einfallen, ganz bestimmt.

Trotz dem anstrengenden Nachmittag für die Forscher und Forscherinnen ist die Stimmung gut bei ihrer Rückkehr und die erfrischende Melone schenkt wieder Kraft.

Zusammen machen sich dann alle daran das Abendessen, nämlich Quarkkartoffeln zuzubereiten und auch einfach nur am Feuer zu chillen und zum Beispiel eine Massagekette zu machen. Hierbei kristallisieren sich nicht nur sehr gute Masseure heraus, sondern sehr willige und höchstqualifizierte und engagierte Probiermeister werden bei der Quarkzubereitung entpuppt und treiben ihn auch mit Marlies Kräutern zur Perfektion.

Hach! Wie schnell dreht sich die Erde um sich selbst, kehrt doch schon wieder die Dämmerung zurück. Und damit nicht nur das Grillenzirpen und das Bieberplatschen, sondern auch das Versprechen rückt nun immer näher.

Bevor es jedoch mit den Kerzen in der Hand und einem Lied auf den Lippen zum Ort des Versprechens geht, den Chrissy und Luzia nachmittags sorgfältigst aussuchten, besinnen wir uns mit Josef in der kleinen Andacht.

Dann geht es zu den Ufern des Schönauer Weihers zu einem feierlichen Kerzenkreis. Der Tölzer Stamm steht nun zusammen. Während wir also nun beisammen sind, halten nacheinander die Wölflinge, Jupfis und Pfadis ihr Versprechen. Ganz schön aufregend sowas, wie man unschwer an den tiefen Atemzügen vor dem Sprechen sieht. Doch dann sind die Worte gesagt, das Tuch um den Hals, die Brust schwillt vor Stolz und beim gemeinsamen Gruppenfoto ist ein Strahlen im Gesicht.

Der Charakter unseres Stammes wird dann auch sehr deutlich, als die Jupfis, nun vereint in der Gruppe, gestärkt auch dadurch, nach dem Versprechen Feuer und Flamme sind Nachtwache zu halten. Und während die „Wilden“ in den Büschen verschwinden, wie ein Schwarm Bienen davon saust, so begnügt dich der Rest der Gemeinschaft am Lagerfeuer mit alten Geschichten, Sternenbildern, die nun im Junihimmel ganz fantastisch leuchten und glitzernd über die Welt wachen, und mit den Resten der Kasspatzn, bereitet vom „Chef-de-la-cuisine“, Olivier.

Da frag ich mich doch glatt, warum es noch überteuerte Restaurants gibt, wenn es so simpel gut geht.

Der nächste Tag ist heiß, er ist von Anfang an heiß. Und glücklicherweise waren die Jupfis und Pfadis so weise ihre Zelte schon am Vorabend abzubauen, so hatten sie weniger Aufwand damit und es ging mit dem Abbau generell voran. Denn, man mag es kaum glauben, unsere Reise neigt sich langsam dem Ende zu. Doch der Abbau läuft, als wären wir durch die gemeinsame Zeit geölt worden, wie geschmiert. Ok, also beinahe… Jaa, niemand hatte wirklich Lust bei der Hitze auch nur ein Haar zu krümmen, waren doch die Eisengriffe der Pfannen noch vor zehn Uhr glühend heiß! Und ja, so mussten die Leiter immer wieder auf die Motivationstrommel hauen. Aber ohne dies, wäre wohl auch keine Tischwischschlange, bestehend aus einem Lappen der sich über den Tisch schlängelt, entstanden und wir wären laaaange nicht so fluchs fertig geworden.

All das viele Zeug, der Haufen von Kisten und Töpfen ist dann schließlich auf Bodos Anhänger verstaut… Und HALT! Unsere kleine Forschungsreise endet natürlich nicht einfach so. Zuvor machen wir noch einen Abschlusskreis, rufen „Gut Pfad“, „Gut Pfad“, „Gut Pfad“ dreimal und das ganz laut, sodass die flimmernde Luft bebt.

Und dann, als schon ein paar Kinder abgeholt werden, dann lässt der erwärmte See nicht mehr auf sich warten, und mit einem lauten „PLATSCH“ oder „KAWUMMS“ landen wir übrigen Pfadis im See.

Schließlich jedoch geht auch für uns die Zeit an diesem Ort zu Ende und vollbepackt machen wir uns auf den Weg nach Hause in die Franzmühle. Auch hier scheint der Motor geölt zu sein, sind wir doch im Null Komma Nichts mit dem Verräumen fertig und können und so noch der Verfeinerung des Ordnungssystems widmen, sowie dem Verzehr der vielen Gummibärchen, die übrig geblieben sind.

In der Mittagshitze dieses schönen Sonntags geht es also nach Hause. Die Erinnerung an dieses schöne Lager bleibt.

- Luzia