Föhnsturm

10.06.2022
Föhnsturm
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ACHTUNG! Rover am Werk!

Was wohl wäre eine Roveraktion ohne eine coole Challenge, ohne den Hauch einer Übertreibung, ohne bombastisches Essen, ohne eine Messerspitze voll Anfängertum und ohne einen Haufen toller Leute mit denen man Spaß hat, die man kennenlernt und mit denen man großartige Gespräche führt?

 

Ja genau. Was wäre schon eine solche Aktion? Das haben sich wohl auch unsere Leiter Marlies und Doni gedacht, als sie im Herbst letzten Jahres mit dieser Idee ankamen einen Bergpostenlauf zu machen, der über 24 Stunden geht.

Der weitbekannte Ironscout in den Bergen, das war der Gedanke. Und wir wären wohl nicht wir, wenn wir nicht trotz Prüfungen und dem alltäglichen Leben uns dieser Challenge stellen würden und anfangen, wie wild Ideen zu spinnen. Hach! Aber Ideen sind nicht genug. Einige Punkte mussten für unser Unterfangen organisiert und überlegt werden. Für einen Postenlauf also nehme man eine beliebige Route, die der eigenen Challenge gerecht wird. Dann organisiere man verschiedenste motivierte Menschen, die Lust haben für unbestimmte Zeit einen Posten auf Route aufzuschlagen, und vorbeikommenden Teilnehmern eine freigewählte Aufgabe zu stellen, auf die es bestenfalls Punkte gibt, um später dann eine Gesamtwertung der Teams vornehmen zu können. Schließlich dann lade man noch seine Pfadfinderkollegen und -kolleginnen von nah und fern, um das Rennen starten zu können.

Warte?

Das ist alles?

Nichts da!

Als Orgateam mussten wir nicht nur Menschen laden. Wir organisierten zudem einen Platz zum Starten und Enden der Route, der auch eine Duschmöglichkeit und einen Erholungsort für die erschöpften Teilnehmer nach der 24-Stunden Tour beinhalten sollte. Und natürlich wollten wir das alle Teilnehmer nach der 24-Stunden Tour gehörig kulinarisch verwöhnt werden konnten und sich mittels eines selbstgestaltenden T-Shirts und coolen Preisen, sowie durch Starterpakets ein schöner Rahmen bildete. Der eigentliche Rahmen jedoch war die Regelung des ganzen Rechtlichen. Das heißt, die Finanzen durch den Teilnehmerbeitrag und Zuschüsse zu organisieren, der Bergwacht bescheid zu geben, wirklich den Start- und Endpunkt zu planen und natürlich auch die Orte der Posten gegeben Falls mit Bauern in der Umgebung abzusprechen. Und damit während des Berglaufs auch alles reibungslos laufen konnte, brauchten wir einen Notfallfahrer, den KJR-Bus und jemanden, der sich die Nacht über die Ohren schlagen würde, um ein Signal aller Gruppen zu empfangen und wusste, ob das Wetter, sowie die Gruppen, also einfach alles nicht auf eine Katastrophe zusteuerte.

An dieser Stelle müssen wir „DANKE“ sagen. Großen, großen Dank, an alle, die sich eine Nacht um die Ohren geschlagen haben, um einfach nur zu schauen, ob alles passt. An die, die die Posten gemacht haben und die uns kulinarisch mit einem fantastischen Nudelgelage von zweierlei Nudeln und jeder Menge Variationen in den Soßen überraschten. Ob Fleisch, Tomate, ausreichend Käse, Sahne… für jeden war nach der Tour ausreichend Essen da. Und ein „DANKE“ reicht wohl auch an Doni und Marlies nicht aus, dass sie sich um den eigentlichen Rahmen größtenteils kümmerten, weil wir jungen Rover einfach keinen Plan hatten und mit unseren Aufgaben schon heillos überfordert waren. Der kleine Tritt ins Hinterteil musste natürlich auch immer und immer wieder erfolgen, denn acht Monate vergehen schnell und es ist ja allgemein bekannt, wie schnell die Zeit dahinrennt, wenn man jung ist.

 

Und schließlich, nach acht Monaten, am 12. Juni 2022, ein bedeckter Tag, das Wetter gerade angenehm zum Gehen, startet für jede unserer Gruppen der Berglauf an der Lenggrieser Mittelschule, wo wir glücklicherweise auch später ausruhen und duschen durften. Aber erst die Tour!

Heute heißt es für 6 Teams aus dem Oberland und dem Raum München, von DPSG bis BdP die Challenge zu wagen von Lenggries über das Brauneck und die Achselköpfe auf die Benediktenwand, nur um dann über Steig und Forstweg in die Jachenau abzusteigen, zum Silvensteinspeicher zu gehen und unter freier Wahl über die Gipfel Schönberg, Hochalm und Geierstein zurück zur Turnhalle nach Lenggries zu gelangen. Aber die Route ist ja nicht alles. Was zählt, das sind die Erfahrungen, die jeder für sich und jede Gruppe einzeln gemacht hat. Da wir gestaffelt gestartet sind, haben wir nur immer wieder die anderen Gruppen getroffen. Rekord war hierbei wohl kurz vor Mitternacht an Crissies Posten in der Jachenau, wo sich alle nach der Benediktenwand mit der wärmenden Kartoffelsuppe gestärkt haben und um Punkte zu bekommen erstmal ihre Teamfähigkeit unter Beweis stellen mussten. Hier haben sich min. drei Teams getroffen. Aber Gesellschaft ist in der Einsamkeit der Natur auch ganz schön. Denn die Zeit verschwimmt, wenn es dunkel ist, die Kilometer laufen unter dem Licht der Funzel nur so dahin und plötzlich sieht man sich um drei Uhr morgens am Silvensteinspeicher wieder der Challenge gestellt, ein fünfstöckiges Kartenhaus bei aufflauendem Nachtwind zu bauen. Die eigens gestellte Challenge in den Silvensteinspeicher auch zu hüpfen haben hierbei nur Marlies und Vali für die fünf Extrapunkte vorgenommen.

Aber die Tour ist nicht vorbei. Einige überkommt die Dämmerung auch auf der Benewand, sodass der Abstieg im Dunkeln erfolgen muss. Und das Team Dampflock gönnt sich den Lenggrieser Höhenweg, der für seine Höhe und seine zusätzlichen Kilometer gar nicht mal so schön wird.

Ein aus München angereistes Team muss seinen Weg auch abbrechen, nachdem die Kräfte sie verlassen haben.

Ob in letzter Zeit je so viel Action im hinteren Isartal stattgefunden hatte, wie in jener Nacht? Wer weiß.

Klar ist jedoch, dass der Weg nicht immer steinig war. Jaa, es gab gerade zum Ende hin, die harten Teerwege, die einen hinein in das weite Lenggrieser Tal geführt haben, wo sich Bäume als Windschutz an den Grenzen der Felder aneinander reihen und die Sonne die Wiesen in einem saftigen Grün erstrahlen lässt. Ein schöner Weg, fast genauso schön vielleicht, wie die Begegenungen an den folgenden Posten. Dort, noch tief im Isartal im Schatten der Bäume,  wo man ein Theaterstück und Dinge raten spielen musste oder wie die frischen Brezen am letzten Posten, wo es um echtes Teambuilding ging und man gemeinsam mit einem Stift den Gruppennamen auf ein Blatt Papier bringen musste.

Für manche steht die warme Junisonne schon hoch, als am Samstag alle langsam in den verlassenen, von Hitze gefüllten Schulhof eintrudeln.

Dann heißt es für viele nur noch schnell aus den Bergstiefeln raus, irgendwo feines hinlegen und sei es in die pralle Sonne mit der Hängematte, weil es ja nicht warm genug sein kann, wie sich Luzia gedacht hat.

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Nach ein paar Stunden Siesta erwacht das kleine Lager wieder zum Leben. Jetzt heißt es ein Eis essen und dann auf das große Nudelbuffet am Abend warten, das dann auch sogleich mit der Abendsonne angerollt kommt. An der rechteckigen Tafel der Föhnsturmchallenger dann werden auch die Punkt- und Siegerlisten verteilt. Gewonnen, so fühlt sich die Autorin geneigt zu sagen, hat wohl jeder reichlich an persönlicher Erfahrung und diesen schönen Erlebnissen und inneren Bildern der „kleinen“ Wanderung. Von der Punktzahl her hat jedoch unser Ü-30 Team „Dampflock“, gefolgt von Berggamsn und den Wandereulen. Nicht zu vergessen, die Gewinner der Herzen, unsere lieben Putzbrunner. 

Unterm Sternenhimmel dann neigt sich der Abend mit munterer Plauderei und den Gitarrenklängen der tollsten Lieder im Hall des leeren Hofes zu Ende.

Hier heißt es auch: Jippih, die Tölzer Rover haben ihre eigene Aktion überlebt. Mal schauen, was nächstes Jahr kommt…

Vielleicht hat der ein oder andere ja die Zukunft in den Sternen in jener Nacht gesehen.

- Luzia